Allgemein
Ich werde oft gefragt, wo denn das Geheimnis des Betens liegt? Ich erkläre es meistens so, das es sich, wenn wir überhaupt von Geheimnissen sprechen können keinesfalls um intellektuelles Wissen oder gar um okkulte Techniken oder Prozesse handelt. Es sind Offenbarungen der Heiligen und Altväter rund um das Christentum. Diese Offenbarungen zeigen sich infolge der Reinigung des Herzens durch tiefe „metanoia“ und Demut welche sich aus der Rückbindung zur Quelle, zu Gott ergibt. Der Begriff „metanoia“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet soviel wie die grundlegende Wandlung von Herz und Verstand durch tiefe Reue und Umkehr. Sozusagen der Beginn des Prozesses und eine notwendige Stufe zur Theose für die Wiedervereinigung der Seele mit der Quelle oder Gott (siehe auch BLOG Beitrag Die Rückkehr des verlorenen Sohnes).
Wie lautet das Efche oder das Geheimnis-umwobene Jesus Gebet?
Dieses Gebet ist einfach im Ausdruck, jedoch reich an Kraft und Energie. Es ist auch einfach in der Anwendung, zumindest zu Beginn. Es lautet wie folgte:
„Herr Jesus Christus, Gottes Sohn von reinstem Licht, erbarme dich meiner“ – oder noch machtvoller:
„Herr Jesus Christus, Gottes Sohn von reinstem Licht, danke für dein Erbarmen“.
Als ich selbst zum ersten Mal vom Efche, dem Gebet des Herzens hörte, stellte ich mir vor, dass ich dafür eine komplexe Initiation durchlaufen muss. Doch wie empfohlen ließ ich mich einfach auf die Wirkung ein und betete es in Demut und ohne weitere bestimmte Vorstellungen.
Wie wende ich das Jesus-Gebet richtig an?
Am besten ist es, wenn du täglich mit einigen Minuten beginnst. In der Zweiten Woche kannst du es dann auf 2 x 5 Minuten steigern. Du kannst es auch auf 2x 10 Minuten am Morgen und am Abend steigern. Du kannst es mehrmals am Tag beten, wann immer du Zeit hast und wann immer du dich zu dir selbst, zu Gott hingezogen fühlst. Konzentriere dich darauf, unabhängig davon wie oft du es am Tag betest, es einmal täglich immer zur selben Tageszeit und an einem ruhigen Ort zu beten, zum Beispiel jeden Morgen und jeden Abend um etwa dieselbe Zeit. Am Beginn wird es dir vielleicht schwer fallen, die Tageszeiten für das Gebet einzuhalten. Stelle dir einen Wecker oder organisiere dir den Tag entsprechend. Vielleicht fällt es dir zu Beginn schwer, die Konzentration zu halten. Deine Gedanken können abwandern doch wichtig ist, dass du dran bleibst und dir eine Chance gibst, die Wirkung zu erfahren. Es geht lediglich um die Konzentration der oben genannten Zeiten. Du kannst dich darauf einstellen, das dir während des Gebetes alles Mögliche einfällt, was du eigentlich noch zu erledigen hättest oder du noch tun müsstest. Doch ich empfehle dir, lass dich nicht abbringen und gib unter keinen Umständen auf. Versuche auch nicht dein Ego zu bekämpfen, dich zu bewerten oder selbst zu verurteilen. Bleib einfach nur dabei und konzentriere dich auf die Worte.
Es ist auch möglich, bevor man mit dem Jesus-Gebet beginnt, sein Herz mit einem anderen Gebet sozusagen aufzuwärmen. Ich mache das immer, indem ich das sogenannte „Ur-Vaterunser“ aus dem Hebräischen bete.
Das Ur- Vaterunser Gebet nach IFVBESA
Himmlischer Urgrund der du überall bist, geheiligt ist dein Königreich.
Entzündet ist die Flamme deiner Klarheit in mir, hier und jetzt und in alle Ewigkeit.
Mein Herz ist offen für die Kraft deiner Gnade und ich bin befreit von den Fesseln, mit denen ich mich und andere band.
Die Nebel und Schleier meiner Selbsttäuschung haben sich aufgelöst sodass ich nun ruhe im höheren Selbst, um dir und mir selbst nahe zu sein.
Ich wurde freigegeben sodass auch ich mich, sowie alle anderen freigebe, bis mein Tun eins ist mit deinem.
Dieser heilige Moment nährt den Boden, aus dem alles Tun und Handeln im Jetzt erwächst.
Amen, Amen, Amen
Wenn du merkst, dass deine Gedanken abwandern, bemühe dich einfach, sie wieder auf das Gebet zu lenken und bei deinen Worten zu bleiben. Das sind die ersten Schritte zum sogenannten „immerwährenden Gebet“. Die Altväter sprechen davon, das Efche könnte eine Gewohnheit werden, die unser Herz aufbricht. Das wird auch dir passieren, wenn du unter allen Umständen dran bleibst. Als Belohnung wartet eine ganz neue Sensibilität. Dieses Gebet öffnet das Herz für die Gnade Gottes und befreit dich von den Fesseln, mit denen du dich selbst und andere bindest im wahrsten Sinne des Ur-Vaterunsers. Durch die Gnade, die in dein Herz zurückkehrt eröffnen sich dir ungeahnte Kräfte. Du beginnst, innerhalb der Energien Gottes zu leben und zu handeln.
Das Jesus-Gebet offenbart durch die Gnade die Mysterien und Geheimnisse Gottes als natürliche Konsequenz
Also man kann gewiss sagen, das das Jesus-Gebet oder das Gebet des Herzens einen ausschlaggebenden Faktor darstellt. Doch es stellt schon eine bestimmte Herausforderung dar, durch das Gebet in die tiefsten Tiefen der Seele vorzudringen. Es erfordert eine beständige und unnachgiebige Herausforderung mit dem Ego. Doch sobald diese überstanden ist, wartet am Ende eine begnadete Erleuchtung und Weisheit. In einer sehr machtvollen visualisierenden Meditation heißt es am Schluss: „Ich wünsche mir Ruhe und Stille in meiner derzeitigen Persönlichkeit, ich wünsche mir gutes Urteilsvermögen und Weisheit, ich wünsche mir rechten Gebrauch der göttlichen Gabe des Denkens und Handelns“.
Diese Analogien zu anderen Mysterien waren für mich immer die wichtigste Kraft, dran zubleiben und unaufhaltsam weiter zu machen. Es ist nicht immer so, dass sich das Tor zum Licht auf einmal öffnet. Bei mir war es eher ein kontinuierlicher Prozess. Das lag sicher auch daran, dass ich zu Beginn meiner Zuwendung an Gott keine Erfahrung hatte und zuvor schon viele weniger effektive Praktiken und Prozesse angewendet hatte.
Doch auf dieser Stufe wird dann ein anderes Erkenntniswerkzeug aktiviert, das über die Logik und den rationalen Verstand hinausgeht. Es stellt sogar so etwas wie eine Anleitung für die Logik dar, es scheint der Logik sogar überlegen zu sein.
Hast du diese Geisteshaltung einmal erlangt, beurteilst du alles erst, nachdem du den Gebetstest abgeschlossen hast. Wenn du während des Gebetes eine Botschaft erhältst, die der Logik widerspricht, dann gehorchst du dieser Botschaft, unabhängig davon, was die konventionelle Logik meint.
„Wenn also das Jesus-Gebet dein Herz übernimmt, wirst du in der Tiefe deines Wesens geheilt“.
Dann ist in deinem Herzen die Flamme Gottes entzündet worden.
Wie heißt es auch gleich im Ur-Vaterunser: „entzünde die Flamme deiner Klarheit in mir, hier und jetzt und in alle Ewigkeit“.
Hat das Jesus-Gebet auch eine Wirkung, wenn ich mit Hintergedanken bete?
„Ich kann das Jesus-Gebet nicht beten, denn dann komme ich mir schlecht vor“. Oder „ich habe das Gefühl, unehrlich zu sein weil ich mich durch das Gebet in Sicherheit bringen möchte“. Das und vieles mehr bekomme ich zu hören, wenn skeptischen und ängstlichen Menschen das Jesus-Gebet empfehle.
Wenn du dich auf das Gebet konzentrierst, ist es unerheblich, mit welchem Motiv du das tust, auch dann, wenn deine Absichten unvollkommen sind. Mit Fortdauer der systematischen (Systemorientiert) Gebetspraxis werden sich deine Motive sukzessive vervollkommnen. Du kannst davon ausgehen, dass das Jesus-Gebet dich das Beten neu lehrt. So ganz nach dem Motto: „Sprich das Gebet und Gott kümmert sich um alles andere“. Durch das Jesus-Gebet wirst du praktisch zu Gott geführt. Wie lautet es in der 4.Strophe des Ur-Vaterunsers so schön: „Nimm die Selbsttäuschung von mir und lass mich ruhen im höheren Selbst um die nahe zu sein“.
Geht es beim endlosen Wiederholen des Namens Christi im Jesus-Gebet um eine meditative Form des Gebetes?
Den Namen Jesus Christus aufzurufen ist weit mehr als eine spirituelle Praxis oder Form der Meditation. Zweck und Folgen des Jesus-Gebetes sind weit mehr als das was mit der klassischen Meditation als Form tiefer geistiger Entspannung erreicht werden soll. Durch das Jesus-Gebet kommt ein mystischer göttlicher Prozess in Gang. Jesus Christus ist ein lebendiger Gott, eine lebendige Person. Das wiederholen des heiligen Namens ist eine klare Anrufung dieser Heiligkeit. Das wirkt sofort in den tiefsten Tiefen der Seele. Auf diese Weise erfährt die Seele nach und nach so etwas wie eine göttliche Anmut. Sobald du mit dem Jesus-Gebet beginnst, wirst du genau diese ersten Erfahrungen machen.
Dieses Gebet wird dir helfen, dich von der Kraft und Wirkung zu überzeugen. Du wirst die Erkenntnis erlangen, dass sich das Gebet nicht nur auf dich sondern auf alle Menschen auswirkt, für die du betest. Das Jesus-Gebet wurde zwar von Heiligen erfunden, doch seine Wirkung entfaltet sich auf alle Menschen, die es anwenden oder sich damit konfrontieren.
Das gilt ganz besonders für die heutige Zeit, wo sich die Menschen mehr denn je nicht nur von Gott sondern auch untereinander voneinander getrennt und abgeschnitten fühlen. Diesen Menschen scheint es schier unmöglich, zu ihrer Familie, ihren Kindern, Ehepartnern, Nachbarn und Mitmenschen eine menschliche Beziehung, eine Nähe herzustellen oder sinnvolle Gespräche zu führen. Das Jesus-Gebet ist das beste Mittel gegen das Gefühl von Getrenntheit, unabhängig davon ob man auf dem Land wohnt oder in der Großstadt.
Das Jesus-Gebet als Therapieform
Wie wir nun schlussfolgern können, schenkt das Gebet des Herzens den Menschen große innere Kraft. Es stellt den ersten Weg über die Brücke zur neuen/inneren Welt dar. Eine bessere Therapie gibt es nicht. Entfremdung und Einsamkeit sind moderne Empfindungen unserer Zeit. Durch das systematische beten lösen sich diese Themen quasi in Luft auf. Durch das immerwährende Jesus-Gebet schenkst du dir ein tiefes Empfinden von „Alleins“ sein, von Gemeinschaft, ein echtes Wir-Gefühl. Denn die gesamte Schöpfung ist auf das „Alleins“ aufgebaut. Wir sind alle mit allem verbunden und das wiederholende Gebet unterstützt diesen Prozess des „Alleins“ seins. Du erhältst ein solch starkes Gefühl der Verbundenheit, das es unerheblich ist, ob einer mit dir spricht oder nicht. Durch das systematische und immerwährende Gebet schwindet jeder Eindruck, ungeliebt oder isoliert zu sein, bewertet oder beneidet zu werden. Durch das Gebet verbindest du dich mit dem lebenden Christus, der in der Tiefe deines Wesens lebt, eine wirksamere Medizin gibt es nicht. Das sind auch die ersten Phänomene, die dir durch das Gebet zuteil werden und die sich in dir manifestieren.
Meine eigenen tiefsten Erfahrungen
Bei dem was ich hier schreibe, handelt es sich lediglich um die Spitze des Eisberges, um die Oberfläche dessen, was ich mit Verstand und Logik beschreiben kann und du als Leser mit Verstand und Logik begreifen kannst. Doch die wahren Wunder befinden sich in den tiefsten Tiefen unseres Wesens, unseres Bewusstseins, unseres Herzens eben. Dort hin können wir nur mit Hilfe unseres Geistes vordringen. Das Gefühl, die Freude dieser Erfahrungen zu beschreiben sind in dieser dreidimensionalen, grobstofflichen Welt unmöglich.
Ich kann es aus eigener Erfahrung nur über meinen eigenen Leidensweg beschreiben. In einem Zustand tiefster Erschöpfung fühlte ich mich fast hoffnungslos verloren. Ich selbst steckte rückwirkend betrachtet Jahrzehnte in einem Zustand tiefster Verzweiflung und wirrer Lebensumstände weil ich nicht wusste, welche Kluft mich von meinem göttlichen Teil in mir trennte, letztlich natürlich von Gott Vater und Mutter Erde. Abgesehen davon fühlte ich mich gefühlt seit meiner Geburt von jeglicher spirituellen Quelle abgeschnitten. Doch im Grunde war es die Dunkelheit in meinem eigenen Herzen, die mich fast verzweifeln ließ. Auf der anderen Seite ist es ja so, wer das Licht nicht kennt, nimmt eben das Dunkel als normal an, ohne zu wissen, dass es ja das Dunkle ist (siehe auch BLOG Beitrag Heilung des Herzens, von der Leidenschaft zur Agape).
In Bezug auf meine Erfahrungen aus der eigenen Lebensgeschichte gepaart mit jener der Menschen, die ich später als ihr geistiger Vermittler begleiten durfte denke ich, das alle Menschen früher oder später einen Zustand geistiger Verzweiflung, abgestimmt auf ihre Möglichkeiten und Potentiale erleben. Und wenn es für den einen oder anderen Menschen der Augenblick des Totes ist, so denke ich dass wir vor der Vereinigung mit Gott alle ähnliche Prüfungen, Zustände völliger Erschöpfung und Verzweiflung durchleben dürfen. Deswegen benötigen wir einen starken Glauben und Geduld, denn genau in solch einem Zustand kann Gott sich uns offenbaren. Genauso durfte ich es wahrnehmen und erleben. Ich bekam sogar einen eigenen Engel, durch den ich unter anderen „metanoia“ und tiefe Demut und somit die Gnade Gottes erfahren durfte.
Gottes Gnade kann man sich nicht durch praktische Übungen erkaufen. Doch die göttliche Gnade kommt der ringenden Seele letztlich immer entgegen.
Fazit
Sehr viele Menschen behaupten, sie beten um geistige Erfahrungen und sie sehen Lichter, hätten Visionen oder erlebten die unterschiedlichsten Phänomene, welche sie für Manifestationen der Energie des Heiligen Geistes halten. Mag sein, doch laut meinen Erfahrungen sind solche Erfahrungen sehr oft lediglich Täuschungen, Produkte ihrer narzisstischen Fantasie. Wer also nicht zutiefst demütig sein kann, wer noch von Stolz geprägt ist, der wird keine Spur von göttlicher Gnade erfahren können.
Durch das Jesus-Gebet, verbunden mit einiger Übung und Geduld und wenn Gott es will oder anders ausgedrückt, sobald Gott es für richtig hält, kannst auch du zum Gefäß der Gnade des Heiligen Geistes werden. Dann irgendwann dringt das Gebet in dein Herz ein und wird sich dort im Sinne der göttlichen Gnade verselbstständigen. Denn das Gebet ist die Kraft, über die Brücke zur neuen Welt, zur inneren Welt, zu Gott und letztlich zu dir selbst zu gelangen.

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