Zucker und die Macht der Psyche

Geschrieben von Wolfgang Hans Albrecht

4. Mai 2019

Einleitung
Unsere Psyche (Zusammenspiel von Geist und Seele, Bewusstsein und Unterbewusstsein) kann uns auch im Bereich der Ernährung ungeahnte Streiche spielen. Im Besonderen spreche ich dabei vom Unterbewusstsein (mehr zum Unterbewusstsein im BLOG Blackbox Unterbewusstsein als Machtzentrale). Einmal automatisierte falsche Essgewohnheiten führen schnell zu einer bestimmten Automatisation und zum Suchtverhalten. Dieser böse Teufelskreis bildet eine traumatisierende Grundlage für Übergewicht, erhöhte Nervosität und Angstzuständen. Schnell lassen sich so die Grenzen der Belastbarkeit in destruktive Bereiche verschieben. Die Änderung solch alter und eingefahrener Gewohnheiten fällt dann besonders schwer.

Suchtgefahr Nummer 1 – das falsche Frühstück
Das Übel nimmt seinen Lauf gleich bei der Einnahme des Frühstücks. Das klassische Frühstück des Österreichers oder des Deutschen (auch in vielen anderen Ländern ist die Situation nicht anders oder noch krasser wie etwa in Frankreich oder in England) sieht im Grunde wie folgt aus.

Die alles geliebte Semmel (Brot ist da auch nicht besser, schon gar nicht Vollkorn, so nach dem Motto „ja ich esse ja eh nur mehr Vollkornbrot“) viel Marmelade und/oder Honig. Wie üblich trinken Frau und Herr Österreicher dazu den geliebten Kaffee. Natürlich gibt es viele Menschen, die überhaupt nur mehr Kaffee trinken, weil sie entweder keinen Appetit (… mehr haben, da abends zu viel gegessen) haben oder meinen sie würden sich etwas Gutes tun gegen ihr Übergewicht. In den Kaffee kommen dann noch einige Löffel Zucker

(Süßstoff stellt dabei ein noch größeres Übel dar, denn unser Gehirn wurde über Jahre auf den süßen Geschmack konditioniert, dazu kommen dann noch als weitere Belastungsfaktoren die chemischen Grundstoffe im Süßstoff)

Und glauben sie mir, nicht anders stellt sich die Situation mit dem ach so gesunden morgendlichem Müsli, vielleicht gespickt mit süßen Früchten, dar. Ich erinnere mich an die Massenhaft tollen Darstellungen, wie gesund doch dieses Frühstück ist. Wie lautet doch gleich dieser Spruch: Esse am Morgen wie Kaiser, zu Mittag wie ein König und am Abend wie ein Bettelmann“. 

Start des Erregungssyndroms
Mit der 1. Mahlzeit, dem Frühstück nimmt das Erregungssyndrom, die Erregungsspirale ihren Lauf. Wurde zum Beispiel um 8 Uhr gefrühstückt, dann können (je nachdem, wie lange diese Gewohnheiten bereits dauern, früher oder später, mehr oder weniger) um etwa 11:00 folgende Symptome auftreten:

  • zittrige und/oder feuchte Hände
  • kalter Schweiß auf der Stirn
  • innere Unruhe
  • Unkonzentriertheit
  • Nervosität

Bei diesen Phänomenen ist es noch leicht, sie zu akzeptieren. Ich möchte sogar sagen, dass die wenigsten sie wirklich ernst nehmen, ja viele meinen das das einfach so ist. Doch wenn diese Situation einmal richtig eingefahren ist, dann kommt noch ein bestimmtes Gefühl der räumlichen Enge dazu. Man flüchtet oft um eine Zigarette zu rauchen oder die Toilette zu benutzen. Man möchte vor der gefühlsmäßigen Belastung flüchten. Wenn jetzt im Job ein Vorgesetzter etwas fordert oder jemand vor einer Problemlösung steht, würde sich diese Person ziemlich hilflos fühlen, sie würde richtig in Stress geraten. Das ist auch der Grund, warum so viele Menschen Probleme haben, sich im Job oder im Leben richtig zu konzentrieren oder zu fokussieren.

Drastischer Anstieg des Blutzuckerspiegels
Doch was hat das süße Frühstück mit Themen wie Nervosität oder Übererregung zu tun?

Betrachten wir einmal genauer was mit dem Frühstück geschieht. Der Zucker aus Marmelade, Honig oder dem Kaffee wird schnell resorbiert. Er erzeugt dadurch eine Hyperglykämiewelle (Überzuckerung) im Blut. Alles ist gut und ok wie es ist. Die Verdauung von Weißbrot (Semmel) oder anderen Brotsorten (eingeschlossen dem Vollkornbrot oder sonstigen Vollkornprodukten) dauert nur unwesentlich länger. Denn dann werden auch diese Kohlenhydrate in Glucose (Blutzucker) umgewandelt sein und das Blut fluten. Die Inhaltsstoffe des Kaffees setzen den Zuckerreservestoff Glykogen (Speicherzucker) frei der sich in Glucose (Blutzucker) umwandelt und ebenfalls ins Blut geht. Das Überangebot im Blut wird immer größer und breitet sich in zeitlich versetzen Wellen aus.

Weitere besondere Faktoren, die besonders am Morgen ins Gewicht fallen sind folgende. Auf Grund des am Morgen besonders hohen Hormonspiegels von Cortisol (Cortisol ist am Morgen normalerweise immer am höchsten. Wir beobachten bei unseren Klienten, die stark unter Stress stehen oder sich ausgebrannt fühlen, am Morgen immer ausgesprochen tiefe Cortisolspiegel. Trotzdem ist auch bei ihnen, gesamt gesehen, der Cortisolspiegel zumeist morgens am höchsten) geht die Resorption von Zucker aus dem Darm ins Blut besonders rasch. Bei Männern noch schneller, weil zum bereits hohen Cortisolspiegel auch die Ausschüttung des Sexualhormons Testosteron am stärksten ist.

Permanent hohe Glucose Spiegel im Blut sind wahres Gift!
Warum ist das so? Durch den hohen Zuckerspiegel besteht das Risiko, das wichtige Transportträger wie Sauerstoff oder Mineralstoffe ebenso wie stoffwechselbegünstigende Rezeptoren regelrecht verzuckern. Ist der Zuckerspiegel im Blut dauerhaft hoch, dann verklumpen sich Zucker und Proteine zu unlösbaren Konglomeraten und blockieren so wichtige Stoffwechselfunktionen. Um das zu verhindern, versucht der Organismus, sich von diesen Stoffen zu befreien. Er versucht sich dieser Gifte so rasch als Möglich zu entledigen.

Das geschieht, indem Insulin in hohen Mengen von der Bauchspeicheldrüse ausgeschüttet wird. Kaffee wirkt da besonders negativ, denn Kaffee unterstützt die Ausschüttung von Insulin zusätzlich, da er verhindert, dass der Blutzucker (Glukose) in der Leber gespeichert werden kann.

Weitere Insulinaktivatoren sind:
Der morgentlich hohe Sympathikus- Tonus (Sympathikotonie – Vagus) stimuliert nicht nur unser Nervensystem um körperlich und geistig in die Gänge zu kommen, sondern auch die Insulinausschüttung (Insulinsekretion). Durch die Nahrungskarenz während der Nacht sind die Insulinausschüttungen am Morgen besonders aktiv und die Pankreas- Drüsen besonders ergiebig. Auch die Empfindlichkeit der Rezeptoren für ausgeschüttetes Insulin ist am Morgen am höchsten

Krankhafte Phänomene entwickeln sich
Fasst man nun diese Aktivitäten zusammen, so ergibt sich am Morgen ein eindeutiges Bild von maximaler Zuckerkonzentration im Blut und höchster Insulinbereitschaft (um den hohen Blutzucker abzubauen). Man nennt dieses Phänomen in der Fachsprache auch „Hyperinsulinämie“ und die Form der chronischen Belastung „Hyperinsulinismus“

Durch die maximale Ausschüttung von Insulin wird das Blut restlos vom Überangebot des überbordenden Zuckers (kurzfristige Überzuckerung im Blut) befreit. Das Blut wird dementsprechend gereinigt, das ist überlebenswichtig. In weiterer Folge kommt es dadurch zur raschen Unterzuckerung, also zum Hypoglykämieanfall (Unterzuckerung), im Blut und in den Zellen, in weiterer Folge zur chronischen Belastung mit dem Namen „Hypoglykämie“ (die Zellen sind bei der Aufnahme von Zucker blockiert) Also gerade erst gegessen und schon wieder Heißhunger?

Wie geht’s weiter?
Jetzt sind seit dem Frühstück etwa 3 Stunden vergangen.

Die Frage ist nun, wohin wurde der überschüssige Zucker transportiert? Können die Zellen, in denen der Zucker verbrannt bzw. abgebaut werden sollte überhaupt noch Zucker aufnehmen? Falls in den Zuckerspeichern der Leber (etwa 600g) und der Muskulatur (etwa 120g) noch Platz ist dann ist alles gut. Wenn dieses Thema zum täglichen Ritual ausartet, sind die Zuckerspeicher bereits voll, sie können also keine Glucose mehr aufnehmen. So viel Zucker wie oben beschrieben kann nicht einmal von einem Schwerarbeiter durch Bewegung abgebaut werden (obwohl dieser gegenüber einem Büromenschen in dieser Situation auf jeden Fall bevorzugt ist) Hypoglykämie führt zu Energiemangel im Gehirn und im Körper. Es kommt zum Abfall der Körpertemperatur, der Stoffwechsel verlangsamt sich, es kann zu einer Schilddrüsen- Unterfunktion und in weitere Folge zu Herzkreislauf Belastungen kommen. Die Folge sind Muskelverspannungen die zu Einschränkungen des Bewegungsapparates führen. Die Liste an Belastungen liese sich endlos lange fortführen.

Neue Mahlzeit, neues Glück
Wenn das Frühstück um 08:00 morgens war, dann ist es noch zu früh für ein Mittagessen. Trotzdem schreit der Körper nun bei einer Unterzuckerung (Hypoglykämie) nach Zucker. Dieses falsche Frühstück ist eigentlich die Wurzel eines Übels, das fatale Folgen auslösen kann. Die dauerhafte Einnahme dieses Frühstücks führt zu Programmierungen des Unterbewusstseins und zu regelrechten Suchtverhalten. Der Körper wird unruhig und nervös, wenn er morgens keinen Kaffee mit Zucker bekommt. Das Koffein im Kaffee rechne ich da gar nicht erst dazu.

Also in diesem Fall gibt es dann vor dem Mittagessen noch schnell einen Kaffee oder einen kleinen Snack. Viele Menschen frühstücken überhaupt erst später (zur Jausenszeit), dann ist es etwa 09:00 oder 09:30 wenn sie ihr Frühstück einnehmen. In diesem Fall setzt die Unterzuckerung (Hypoglykämie) ein, Heißhunger breitet sich aus, gerade pünktlich vor dem Mittagessen. Beim Mittagessen wird der Unterzucker im Blut gleich mit kohlehydratreichen Mahlzeiten, Bier oder Limonade kompensiert. Das Unterbewusstsein fordert seinen Tribut. Nach dem Mittagessen folgt die Müdigkeit. Der Schwung an Zucker flutet das Blut, der Blutzucker steigt an doch die Zellen sind nicht in der Lage den Zucker aufzunehmen. Es kommt zu Sauerstoffmangel im ganzen Körper (besonders im Gehirn – Müdigkeit, Energielosigkeit). Im Grunde laufen dieselben Stoffwechselprozesse ab wie am Vormittag. Das führt zu einem regelrechten Teufelskreislauf. Unterzuckerung führt zu Heißhunger, man ist etwas süßes oder Kohlenhydratreiches. Von der Unterzuckerung (Hypoglykämie) geht’s im Eilzugstempo in die Überzuckerung (Hyperglykämie) was wiederum zu einer Unterzuckerung in den Zellen führt. Diesen Sucht- Prozess nennt man auch negative Zuckerspirale oder Insulinspirale. Denn Insulin ist das alles entscheidende Hormon, das zum Abbau des hohen Blutzuckerspiegels führt.

Endstation Diabetes oder mitochondriale Störung
Jetzt kommt noch ein wichtiger Faktor hinzu, nämlich „Stress“. Übermäßige Belastungen können diesem Syndrom noch einmal richtig Vorschub geben. Denn in diesem Falle kommt es am Abend wieder zu dramatischen Hungerattacken. Der tagsüber aufgestaute und nicht abgebaute Stress unterstützt das sympatikotone Nervensystem (Sympathikus = Erregersystem), der Stoffwechsel wird aktiviert, Zucker wird angefordert (sonst wieder Unterzucker) und so nimmt der Teufelskreis seinen Fortgang. Am Abend ist es dann für den Stoffwechsel besonders schwer die Speisen zu Verdauen. Sie bleiben im Magen- Darmbereich unverdaut liegen und führen zu einer sogenannten Gärungsverdauung. Die Speisen beginnen im Umfeld der sauren Valenzen im Magen- Darmbereich zu gären. Dabei entsteht Methylalkohol, ein weiteres Gift.

Abgesehen davon, ermüdet die Pankreas, es wird auf Grund dessen nicht mehr genügend Insulin produziert, der Blutzucker kann nicht mehr vollständig abgebaut werden und es kann zu Diabetes 2 kommen. Die zuvor erwähnte und inzwischen chronisch gewordene Hypoglykämie (inzwischen bezeichnet man sie auch als Diabetes 3) führt zu Energiemangel innerhalb der Zelle. Nun gesellt sich zu den bisher schon erwähnten Symptomen auch noch ein Energiemangel, der oftmals auch als besondere Form eines „Burn out“ bezeichnet wird. Mitochondriale Störung.

Fazit:
Die Macht unseres einzigartigen Unterbewusstseins wird total unterschätzt. Wie heißt es so schön, Missbrauch schützt nicht vor Strafe und falsche Programmierung schon gar nicht vor Fehlfunktion. Unser Unterbewusstsein ist darauf spezialisiert, Automatismen einzurichten um uns das Leben zu erleichtern. Doch wenn unser Tagesbewusstsein so damit beschäftigt ist, seinen imaginären Zielen Nachzugehen, bleibt keine oder zu wenig Zeit für die lebensnotwendigen Überlegungen und Konzepte.

Noch mehr zeigt sich das an der Ernährungsweise in unserer technokratischen Zivilisation. Millionen von Menschen weltweit leiden unter diesen erklärten Symptomen. Millionen von Menschen erkranken jedes Jahr weltweit auf Grund solcher fataler Ernährungsfehler. In einer Welt, in der alles möglich ist stolpern noch immer die meisten Menschen über die offensichtlichsten Fallen.

Wenn der Job wichtiger wird als das Überleben und die Achtsamkeit auf die Lebensqualität, bedeutet das, die Menschen sind bereit für ihren Job oder für ihre Lebenstäuschungen (Illusionen) zu sterben. Wenn unser Körper auf Abwehr, Schutz oder Kampf (Sympathikus) eingerichtet ist, kann es kein Wachstum (Parasympathikus) geben! Befreien sie sich aus dieser Einbahnstraße.

BESA bietet viele Konzepte die es ihnen ermöglichen, aus dieser Spirale auszusteigen.

 

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