Was bedeutet Gerechtigkeit

Geschrieben von Wolfgang Hans Albrecht

28. Dezember 2025

Bist du irgendwann einmal im Leben zu irgendjemand ungerecht gewesen? Die meisten Menschen denken, wenn sie sich für die Einhaltung der weltlichen Gerechtigkeit einsetzen, dann halten sie sich zumeist für etwas Besonderes. Ich frage die Menschen, die mich besuchen gerne „Bist du irgendwann einmal in deinem Leben zu jemanden ungerecht gewesen“? Die Antwort auf diese Frage ist dabei immer dieselbe: „nein niemals, ich kann mich nicht erinnern, im Gegenteil“.

Im Grunde wiederholt sich die Geschichte immer und immer wieder, egal wie weit wir in der Geschichte zurückgehen. Wenn die Menschen sich in einen Konflikt mit anderen befinden, dann denken sie in aller Regel, das sich der andere im Unrecht befindet und es sei ihnen selbst Unrecht widerfahren ist.

Gott oder das Gesetz sorgt für meine Gerechtigkeit
Mir ist noch nie jemand begegnet, der im Streit mit einer anderen war, dann innehielt und meinte: „Lieber Freund, es tut mir aufrichtig leid, ich habe dich ungerecht behandelt“! Ebenso verhält es sich im Kollektiven. Es gibt auch genügend Beispiele religiöser Menschen oder überhaupt aus der katholischen Kirche selbst, die den Feind dämonisieren und sich in den Krieg gegen ihn stürzen. Und das tun sie im Glauben, Gott würde sich an ihre Seite stellen.

Die Frage ist: „wo finden wir die ganzen ungerechten Menschen, wenn doch alle im Recht sind“?

Die Mehrzahl der Menschen geht davon aus, dass es einen gerechten Gott gibt, der in ihrem Falle für Gerechtigkeit sorgt. Gerechtigkeit bedeutet für sie, dass diejenigen, die sie als ihre Feinde betrachten von Gott bestraft werden sollten. Noch lieber wäre es ihnen, wenn sie sich an dieser Strafe ergötzen könnten. Besonders deutlich konnte man das aktuell auf der ganzen Welt beobachten. Den Gerechtigkeitsfanatikern zufolge müsste nun die gesamte Wahrheit des Unrechts aufgedeckt werden und alle Verursacher dieser weltweiten Krise müssten einer gerechten Strafe zugeführt werden. So nach dem Motto:

„wir waren im Recht und die anderen haben unrecht gehandelt. Ich möchte nun das es alle erkennen und dass es allen gezeigt wird – ich war im Recht“! oder „ich hatte recht und die anderen, die uns das angetan haben müssen bestraft werden“!

Tritt diese Gerechtigkeit nicht ein, dann werfen wir Gott vor die Tür (Trennung von der Quelle).

Das führt für sie ganz klar zur Frage und wir haben sie in den vergangenen Jahren öfter denn je gehört: „wo war Gott, als wir so schwer mit Corona konfrontiert wurden“? oder „wo ist Gott jetzt, wenn es darum geht, die Wahrheit aufzudecken um Gerechtigkeit zu erlangen“?

Normale Menschen neigen dazu, dass ein gerechter Gott irgendwie zu ihren Gunsten eingreift und für Gerechtigkeit in ihrem Sinne sorgt.

„Doch dürfen wir tatsächlich so denken“?

Im Grunde geschieht alles im Sinne des göttlichen Planes
Die Wege des Menschen sind nicht Gottes Wege. Der Fanatismus der katholischen Religion führt soweit zu glauben, dass der Logik folgend wir zu dem Schluss kommen müssen, dass es einen Gott gibt, der Gerechtigkeit übe!? Welches Ethos wird da von der Kirche überhaupt gelehrt? Wie weit ist das alles inzwischen vom Geist Gottes entfernt? Wie kann man Gott als eine Art höchste Gerechtigkeit verstehen? Angesichts der vielen sogenannten Ungerechtigkeiten auf der Welt muss Gott sich doch früher oder später darum kümmern und diejenigen bestrafen, die Ungerechtigkeit begehen und uns, die Gerechten belohnen?

Das zeigt, welches Ethos wir führen und wie weit er vom Geist Gottes entfernt ist.

Ein Heiliger meinte einmal: „Sag ja nie Gott sei gerecht, denn Gott ist nicht gerecht“. Zumindest nach menschlichen Ermessen

Was bedeutet gerecht dann eigentlich Wort-wörtlich?

„Recht geben“ ist etwas anderes als der Sinne dessen, was uns als „gerecht“ gelehrt wurde. Das Leben ist niemals gerecht oder ungerecht. Es ist die Ursache des Karma-Gesetzes.

Die Heiligen argumentieren das wie folgt:

„Wie kann Gott gerecht sein, wenn er von uns verlangt, dass wir uns nicht wehren, wenn uns einer etwas stiehlt, sondern ihn gewähren lassen? Wenn uns einer bittet, dass wir ein Stück des Weges mit ihm gehen, wir ihn solange begleiten, wie er es braucht oder versteht. Das, wenn uns einer auf die Wange schlägt, wir ihm auch noch die andere Wange hinhalten“?

Ist das Gerechtigkeit?

Jesus von Nazareth ist um deren Willen gestorben, die ihn gehasst, bespuckt und getreten haben. Er ist weiters um der ganzen Welt willen gestorben. Er betete als Mensch gewordener Christus nicht für seine Apostel und Anhänger, sondern für seine Peiniger, er betete für die, die ihn gekreuzigt haben. Es gibt so viele Märtyrer und Heilige, die diese Form der christlichen Liebe gelebt und deren Wirkung bewiesen haben. „Herr vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun“!

Das bedeutet, das was Gott als Gerechtigkeit betrachtet, ist etwas anderes als das was die Menschen gerne hätten oder was sie daraus gemacht haben.

Ja, das stimmt, es gibt so viel Ungerechtigkeit um uns herum, so viel Tod und Zerstörung, so viele Tragödien. Wenn wir sehen, wie viele Menschen leiden drängt sich vielen Menschen unwiderruflich die Frage auf: „Wo ist Gott und wo ist seine Gerechtigkeit“?

Gottes Gerechtigkeit wirkt außerhalb unseres Verstandes auf wundersame Weise. Als Pontius Pilatus Jesus fragte, er solle doch beweisen, das er der „Gottes Sohn„ ist, antwortete Jesus: „mein Königreich ist nicht von dieser Welt“.

Natürlich ließe sich daraus annehmen, dass solche Aussagen eine Aufforderung zur Passivität gegenüber von weltlicher Ungerechtigkeit ist. Doch das wäre sicher der falsche Impuls. Es ist wichtig, in der Welt aktiv zu sein für Gerechtigkeit und zu bleiben. Doch damit verbunden muss eine Art Aufklärung stehen. Eine Aufklärung für Hilfe und Hilfe zur Selbsthilfe. Doch Jesus Christus ist alles andere als ein Sozial-Revolutionär.

Was ist dann die Gerechtigkeit Gottes?
Der Heilige Maximus formulierte wie folgt: „Wahre Gerechtigkeit ist, dass Gott durch seine Gnade hilft das wieder gut zu machen, was uns wirklich Unrecht getan hat. Nämlich unsere Entfremdung mit Gott, der uns nach seinem Ebenbild geschaffen hat. Wir haben das Potential erhalten, durch seine Gnade Götter zu werden. Unser höchstes Ziel ist es, wieder vereint zu sein mit dem, der uns geschaffen hat. Das sind unsere wahre Heimat und unsere endgültige Bestimmung. Unrecht ist uns also mitten im Kern unseres Wesens getan worden, analogisch gesprochen und zwar durch den Fall“. (siehe BLOG Beitrag- die Rückkehr des verlorenen Sohnes) oder analogisch „die Lehre vom Sein“.

Natur des Seins und die Struktur der Realität => ontologisch => Ontologie.

Man könnte es vielleicht auch so ausdrücken: „Gerechtigkeit (den rechten Weg gehen) ist letztens unser Wiedereintritt ins Paradies, die Rückkehr des verlorenen Sohnes ins Haus, den Palast des Vaters“.

Wenn uns das gelingt, dann verlaufen unser Leben und die damit zusammenhängenden Lebensumstände im Einklang mit unserem wahren Wesen.

Dann öffnen sich uns Herz und Verstand und wir sind in der Lage, die Dinge und Angelegenheiten dieser Welt mit ganz anderen Augen und unter neuen geistigen-kontemplativen Kriterien zu sehen (Die Brücke zur neuen/inneren Welt). Dann wird die Gerechtigkeit in der Form wirken und erfahren werden, wie sie der totalen, absoluten und bedingungslosen göttlichen Liebe entspricht. Das ist eine ganz andere als die Gerechtigkeit wie wir sie wahrzunehmen gelernt haben.

Interessanterweise stelle ich fest, das ich immer dann, wenn Menschen sich auf die Seite der göttlichen Gerechtigkeit in Gestalt bedingungsloser Liebe stellen, die Gesetze von Logik überwunden werden und Gott in ihnen so wirkt, das er sie sowohl auf Erden als auch im Himmel rechtfertigt.

Die Worte von Christus lauten: „Selig sind, die nach der Gnade Gottes durstet, denn Gott ist Gerechtigkeit, Wahrheit und Frieden“.

Christus Gebet: „Herr Jesus Christus, Gottes Sohn von reinstem Licht, erbarme dich meiner“.

Aus diesem Grunde zielt die gesamte heilige Pädagogik auf die Heilung der Menschen, damit sie ihrer Natur gemäß leben und handeln können, so wie Gott es ursprünglich gedacht hat.

Fazit
Die meisten Menschen stellen sich dies normalerweise oft als eine Art Kampf vor, in dem die Seelenrettung aus dem brodelnden Kessel der Hölle vollzogen wird.

In Wahrheit zielt ein geistiger Kampf darauf ab, unser „Dasein“ oder unser „Personensein“ zu heilen. Es geht auch darum, unsere Kommunikation mit dem göttlichen zu besiegeln, was wiederum unsere Bestimmung und Rechtfertigung (nach Fragen, was gerecht ist) dafür ist, das wir auf dieser Welt sind.

Solange dieses Ziel nicht erreicht ist, werden wir weiterhin auf unvollkommene pathologische Art und Weise leben und handeln und dabei eine Ungerechtigkeit nach der anderen erfahren oder erleiden. Die soziale Welt die wir kollektiv erschaffen haben, wird dieses Pathologische in uns natürlich solange widerspiegeln (soziale Parteien, Politik, Kirche usw.) bis wir die Harmonie in uns erreicht haben.

 

Autor

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